Weihnachtstraditionen in Europa

 

Denken Sie, Weihnachtstraditionen seien auf der ganzen Welt identisch? Weit gefehlt! In den verschiedenen europäischen Städten wird der 25. Dezember sehr unterschiedlich gefeiert. Falls Sie in einer dieser wundervollen Städte Ihre Ferien verbringen oder ganz einfach etwas über die Weihnachtstraditionen in Europa erfahren möchten, dann lehnen Sie sich zurück, trinken eine heisse Schokolade und lesen weiter.

 

London

Wer in London am 25. Dezember eine Stadtrundfahrt plant, kann arg enttäuscht werden! Am Weihnachtstag stehen in London die öffentlichen Transportmittel still, Sie müssen also die Stadt zu Fuss erforschen… Eine Kuriosität sollten Sie dabei am Weihnachtstag nicht verpassen: Im Hyde Park schwimmen die Leute im Serpentine-See! An diesem kühlen Sprung ins Nass können nicht alle teilnehmen, denn er ist den Mitgliedern des Serpentine-Schwimmclub vorbehalten. Aber es ist durchaus vergnüglich, dem Treiben zuzuschauen!

 

Wenn Sie schon im Hyde Park sind, gehen Sie doch weiter zum Winter Wonderland – das ist ein reizender Weihnachtsmarkt mit Fahrgeschäften im Stil eines Vergnügungsparks. Was immer Sie auch bevorzugen: Vergessen Sie niemals, dass die Königin am Weihnachtstag um 15 Uhr eine Rede hält! Zum Abschluss und zur Abrundung Ihres Weihnachtsfests in London müssen Sie unbedingt einen Christmas Cracker öffnen! Es ist ein kleines Paket, das wie ein grosses Bonbon aussieht und eine Krone aus Papier, ein kleines Spielzeug aus Plastik und einen Kalauer enthält. Bevor Sie Ihre Krone nicht aufgesetzt haben, kann kein Weihnachtsgefühl aufkommen!

 

Rom

 

Wenn Sie Weihnachten in Rom verbringen, ist das kultigste aller Dinge, die Sie hier tun können, der Weihnachtsansprache des Papstes auf dem Sankt-Petersplatz beizuwohnen (Sie müssen allerdings die Eintrittskarten lange im Voraus online reservieren). So richtig verwöhnt werden Sie, wenn Sie in der glücklichen Lage sind, Weihnachten bei einer einheimischen Familie zu verbringen. Das Essen am Heiligen Abend wird La Vigilia genannt und besteht aus 7 oder mehr Gängen! Zum Glück sind die Gerichte heute dank Fisch und Gemüsen etwas leichter, damit Sie sich vor dem grossen Weihnachtsmahl am Weihnachtstag noch etwas schonen können. Und wenn Sie am 6. Januar, am Dreikönigstag, immer noch in Rom sind, machen Sie Bekanntschaft mit La Befana, einer gütigen alten Hexe, die den braven Kindern Süssigkeiten schenkt und die Unartigen mit Kohle bestraft. Vergessen Sie aber auf keinen Fall, ihr ein Glas Rotwein bereitzustellen!

 

Barcelona

 

 

Es gibt wohl kaum Weihnachtstraditionen in Europa, die ebenso seltsam sind wie jene, die man in Barcelona antrifft. Die erste bezieht sich auf die Weihnachtskrippe, die von den Kindern in Barcelona mit viel Liebe und schönen Krippenfiguren jedes Jahr eingerichtet wird. Schauen Sie sich die Figuren etwas genauer an: Da ist der caganer, ein traditioneller katalanischer Bauer, der… hmm… gerade mal auf die Toilette muss. Über den Ursprung dieser Figur ist man sich nicht im Klaren, doch Sie könnten am Weihnachtsmarkt in Barcelona gut einmal auf ihn treffen!

Eine weitere Kuriosität in Barcelona sieht aus wie ein Holzstamm und hat Gesicht und Beine. Er wird im Wohnraum aufgestellt, wo es von den Kindern während der Adventszeit „gefüttert“ wird. Am Weihnachtsabend singen dann die Kinder ein Lied und schlagen auf den Stamm ein, bis er platzt und ihre Geschenke freigibt. Ja, das ist tatsächlich so!

 

Berlin 

 

In Berlin bringt nicht der Weihnachtsmann die Geschenke, sondern das Christkind. Als jugendliche Version des Christus mit goldenen Locken und einer Krone ist es eine vollkommen andere Darstellung als der Weihnachtsmann! Was das Festmahl anbetrifft, essen die deutschen Familien normalerweise ein einfaches Gericht: Würste und Kartoffelsalat sollen als eine Andeutung an die harten Zeiten verstanden werden, die Maria und Josef auf ihrer Suche nach einer Schlafstelle erleben mussten. Doch keine Angst – am nächsten Tag gibt’s Weihnachtsgebäck in Hülle und Fülle!

 

Paris

 

In der Lichterstadt hingegen setzt man alles auf das Essen am Weihnachtsabend! Die Feier heisst Réveillon, und auf dem Tisch liegen Austern, Kaviar und Foie gras. Hätten Sie in Paris etwas anderes erwartet? Bevor Sie abreisen, müssen Sie unbedingt eine bûche de Noël kosten, denn dieser Buttercremekuchen in Form eines Holzscheits hat Kultstatus. Man findet ihn in allen Konditoreien der Stadt!

 

Lobend zu erwähnen:

 

 

  • Europas grösster Christbaum befindet sich in Lissabon, er ist 76 Meter hoch (und selbstverständlich kein echter Baum!).
  • In den Niederlanden kann man die Rentiere Rudolph und seine Kollegen vergessen… Hier reitet der Weihnachtsmann auf einem Pferd, das Amerigo heisst.
  • Schweden feiert mit einer Weihnachtsziege aus Stroh, die leider Jahr für Jahr von Vandalen angezündet wird und abbrennt.
  • Tag der Verstorbenen oder Weihnachten? In Wales zieht ein „Mari Lwyd“ genannter Stutenschädel mit weihnachtlichen Sternsingern durch die Strassen.
  • Der Weihnachtsmann hat ein Alter Ego in Wien oder München – der Krampus ist eine Art Dämon, der die ungezogenen Kinder terrorisiert!
  • Der Weihnachtsabend in Polen wird Wigilia genannt und beginnt, sobald der erste Stern am nächtlichen Himmel Erscheint. Man isst ein 12-Gang-Menu, dessen Höhepunkt der Karpfen ist… Hoffentlich sind Sie hungrig!
  • Vergessen wir diesen Weihnachtsmann nicht: In Island bringen 13 „Weihnachtskerle“ die Geschenke! Am besten wünscht man sich übrigens Kleider, denn sonst wird man von der riesigen Weihnachtskatze sofort gefressen!

 

Haben wir ein Ihrer liebsten Weihnachtstraditionen in Europa vergessen? Dann melden Sie es uns hier im Kommentarbereich. Und fröhliche Weihnachten :)!

Bilder: Rome von Giuseppe Milo via cc, Barcelona von Valerie Hinojosa via cc und Berlin von Marcus Meissner via cc